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Beschreibung eines Klassikers

Faema-Logo
Die Faema „Family“ ist eine Espresso-Maschine aus den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts für den gehobenen Heimbedarf. Es handelt sich um ein sogenanntes „Einkreis-Modell“, was heißt, dass es nur eine Vorrichtung zum Wassererhitzen in der Maschine gibt, die alle drei Benutzungszwecke ab­decken muss: Espresso brühen, Heißwasser ziehen für Tee und Dampf erzeugen zum Auf­schäumen. Faema ist eine Abkürzung für „Fabbrica Apparecchiature Elettromeccaniche e Affini“, ein 1945 gegründetes italienisches Familienunternehmen mit Sitz in Milano. Das Firmenlogo ziert daher auch die Silhouette des Mailänder Doms. die Faema Family im Ganzen
©: Max Behrendt
zwei Bolzen in Nahaufnahme
©: Max Behrendt
Die Besonderheit der Family liegt in der extrem wertigen und schweren Ausführung der Bau­komponenten, fast alle Teile sind aus schwerem Metall gefertigt, sämtliche Befestigungen sind mit massiven Imbusschrauben realisiert. Das Gesamtgewicht der Family liegt über 10 Kilo, schon das dreiteilige Gussmetallgehäuse wiegt drei Kilo. Besonders beeindruckend sind die sechs (!) riesigen Schraubbolzen, die die Bodenschale mit den beiden senkrechten Gehäusehälften verbinden, sie wären wohl auch hinreichend, um das Rad eines 30-Tonners zu befestigen. (Gut, ich übertreibe ein klein wenig, aber nicht viel...;)
Auch die Verwendung eines magnetisch gesteuerten Dreiwegventils zum Druckabbau nach dem Ziehen eines Espresso und zur Trockenlegung des benutzten Kaffeesatzes war (und ist) für die Geräteklasse ungewöhnlich und rechtfertigt den hohen damaligen Verkaufspreis von circa 700 DM. Ein weiterer Vorteil diese Magnetventils ist die Möglichkeit zum „Rückwärts-Spülen“ (back flush) des Heißwasser-Systems zwischen Heizkessel und Brühkammer. Mir selbst hat sich diese Möglichkeit allerdings erst vor einem Jahr erschlossen - nach über 20 Jahren Nutzung... das Dreiwegventil
©: Max Behrendt
der Filtertraeger in Nahaufnahme
©: Max Behrendt
Außergewöhnlich ist schließlich auch die Verwendung eines Filterträgers mit professionellen Maßen. In der Faema Family lassen sich daher auch Gastronomiefiltereinsätze mit 60 mm Durchmesser verwenden. Man sieht auch, dass sich der zweinasige Auslauf am Filterträger abschrauben läßt. Wer mag, kann ihn gegen einen professionellen einnasigen austauschen. Ein weiteres interessantes und nützliches Detail ist der kleine Stift in der Mitte des Bildes. Mit diesem kann man den Filtereinsatz mit einem Fingerdruck ganz leicht aus dem Filterträger lösen.
Der obere Teil des Heizkessel ist aus schwerem Messingguß, der untere Teil, der den Filterträger aufnimmt und in einen Befestigungsarm ausläuft, der zugleich die Anflanschstelle für das rote Dreiwegventil (rechts im Bild) bietet, ist aus einem einzigen Stück Edelstahl gefertigt. Besonders hier zeigt sich die extrem massive Bauweise: der komplett bestückte Kesselblock wiegt (ohne Wasserfüllung) 2,6 kg. Mit seinen fast 300 ml Volumen und der dicken Messingwandung bietet er eine gute Temperaturstabilität beim Ziehen eines Espressos. Messingkessel
©: Max Behrendt
Logo der Contessa
©: Contessa-Schriftzug hier entliehen
Die Family wurde 1984 erstmals produziert, im außereuropäischen Raum wurde die Maschine auch unter dem Namen „Contessa“ verkauft. In Australien und Kanada diskutieren Coffee-Geeks noch heute die Vorteile der „Contessa“ und geben sich Reparatur-Tipps. Technisch gesehen besteht der einzige Unterschied zwischen Contessa und Family im aufgedruckten Logo und Schriftzug, wie hier links zu sehen.

1991 wurde ein neues Family-Modell auf den Markt gebracht, das bis heute produziert wird und unter diesem Namen einheitlich weltweit verkauft wurde. (Heute erhält man es aber wohl nur noch in den Staaten und in Kanada. In beiden Fällen handelt es sich allerdings um 110 Volt / 60 Hertz-Maschinen!) Bei diesem Modell liegt der Tank quer im Gehäuse und ist von der Seite einzusehen zur Kontrolle des Wasserstands. Der Kessel ist aus Aluminium und das Dampfventil wird mit einem Schieber geöffnet und geschlossen (hier rechts im Bild zu sehen - Dank an Herrn Banze für das Detailfoto).

Dampfschieber
©: Joachim Banze
Ausschnitt mit Drehknopf
©: Max Behrendt
Die beiden Modelle der zwei älteren Baureihen (Family oder Contessa) erkennt man hingegen sicher am Messing-Kessel und dem Drehventil mit geripptem, kuppelförmigen Kunststoffdrehknopf für den Dampfauslass. Meine eigene Family habe ich im Oktober 1985 gekauft. Allerdings weist das Typenschild der Pumpe ein Herstelldatum von 12/1985 aus, sie wurde höchstwahrscheinlich bei einer Instandsetzung 1987 durch das Mutterwerk in Mailand ausgetauscht. Auf diese Reparatur geht wohl auch das Fehlen einiger Teile (Netzkabelhalterung an der Bodenschale, Edelstahlabdeckung am Brühkopf, Thermosicherung oben am Kesselblock) zurück.
Die Original-Bedienungsanleitung, die ich zusammen mit der Maschine 1985 erstanden habe, zeigt noch einen Filterträger ohne austauschbaren Auslauf, also gab es schon im ersten Jahr Änderungen im Bautyp. Zählt man dieses Ur-Modell als „Family 0“ (Null deshalb, weil ich noch nie einen Beleg dafür gesehen haben, dass dieses Ur-Modell je im Handel war) gab es drei Modellversionen: die Family I, II und III. Die genauen Unterschiede der drei Versionen sollen auf einer gesonderten Seite vorgestellt werden (yet to come). Ausschnitt aus der Bedienungsanleitung
©: Faema. Divisione casa (1985)
Ausschnitt der Geraetetafel
©: Max Behrendt
Der innere Aufbau der Family, insbesondere der Family I, ist schlicht, geradlinig und rein elektro-mechanisch realisiert. Es gibt keine Elektronik, das Innenleben besteht neben Kupferrohren, Messingguss-Teilen und Stahlbolzen nur aus Schaltern, Lämpchen, einer Spule und Widerständen. Praktisch heißt das, dass wer nicht gänzlich handwerklich unbegabt ist, durchaus gute Chancen hat, die Maschine bei einem Defekt selbst zur reparieren. Man kann alle Bestandteile auseinander schrauben, ohne sich Sorgen machen zu müssen, ob diese je wieder zusammenpassen werden. Es gibt hier keine „Einweg“-Verbindungen, keine Plastiklaschen, die beim Öffnen notwendig wegbrechen.

Da das Dreiwegventil berührungsfrei (magnetisch) arbeitet, sind hier Kurzschlüsse oder Kriechströme kaum zu erwarten. Am ehesten werden die Pumpe und die Heizspirale defekt gehen, beide können aber auch heute noch mit Originalteilen ersetzt werden. Die Aussicht auf Reparatur im Fall eines Defekts sind daher wirklich nicht schlecht. Genau genommen gibt es nur fünf elektrische Hauptbauteile:
kleines Bilder der Heizspiraleunsichtbarer Distanzhalterkleines Bilder der Pumpeunsichtbarer Distanzhalterkleines Bilder des Dreiwegventilsunsichtbarer Distanzhalterkleines Bilder des Thermofuehlerunsichtbarer Distanzhalterkleines Bilder eines Schaltes
©: 4 x Max Behrendt; 1 x Großküchen-Ersatzteil-Vertrieb GmbH
die Heizspirale, die Druckpumpe, das Dreiwegventil, die wärmeempfindlichen Widerstände, die als Messfühler im die Heizkesselwand eingeschraubt sind, und die vier beleuchteten Schalter. Wie man selbst auf diesen kleinen Fotos gut erkennen kann, sind alle elektrischen Teile mit soliden Steckverbindungen, wie man sie aus der PKW-Elektrik kennt, versehen. Kein Teil ist fest eingelötet, Wartungs- und Austauschfreundlichkeit wurden bei der Konstruktion ganz offensichtlich groß geschrieben.

Und wie es dann praktisch geht, das Auseinanderschrauben und wieder Zusammenbauen, das wird auf den noch zu bastelnden Seiten zu sehen sein!



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