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Text]
Nationalismus in Kurdistan.
Vorgeschichte, Entstehungsbedingungen
und erste Manifestationen bis 1925
Günter Max Behrendt
Dissertation
Universität Hannover 1992
überarbeitete Fassung von 1993
Im Buchhandel (höchstwahrscheinlich
nicht mehr) erhältlich in der
Schriftenreihe:
Politik, Wirtschaft und Gesellschaft des Vorderen
Orients
hrsg. vom Deutschen Orient-Institut, Hamburg, 1993,
ISBN 3-89173-029-2, DM 42,
Auf diesem Server finden sich Abstract, Inhaltsverzeichnis und einige
ausgewählte Kapitel.
Abstract
Der Aufbau der vorliegenden Arbeit folgt im wesentlichen
dem Anspruch eines Freilegens einiger wichtiger
Aspekte der Entwicklung der kurdischen Gesellschaft von
nationalisierenden Projektionen, damit eine
Rekonstruktion jener Umbrüche möglich wird, die die
Entstehung einer kurdisch-nationalistischen Bewegung
überhaupt denkbar machten. Dabei soll versucht werden
nachzuweisen, daß die Wurzeln des kurdischen
Nationalismus nicht in den Abgründen der Geschichte zu
suchen sind, sondern an der Wende zu unserem Jahrhundert.
Gleichzeitig wird argumentiert, daß die Kategorie
Nation ein untaugliches Mittel ist, um die
Entwicklung der kurdischen Gesellschaft bis zum 20.
Jahrhundert zu begreifen. Es geht daher zunächst darum,
die vornationale Verfaßheit der kurdischen Gesellschaft
in der Zeit vor 1900 gegen die übliche, ex post
nationalisierende Perspektive herauszuarbeiten. In dieser
Arbeit spielen folglich Kategorien wie Glaube, Nomadismus,
Tribalismus, Prestige, Vasallität und Patronage nicht nur
die Rolle von Störfaktoren, die die Entwicklung eines
nationalen Bewußtseins behinderten, sondern
sie sind die eigentlichen Schlüsselbegriffe.
Parallel dazu findet eine Aufarbeitung des bisherigen
Standes der Literatur zum Thema statt, wobei vor allem
hinsichtlich des Umgangs mit historischen Fakten ein Defizit
an solider Forschung festzustellen ist. Deshalb ist zumindest
ein Teil der Arbeit der Etablierung gesicherter Fakten durch
Abgleich mit Standardwerken relevanter Nachbarwissenschaften
wie Ethnologie, Turkologie, Iranistik etc. gewidmet. Die
Diskussion der Entstehungsgeschichte der ersten
kurdisch-nationalistischen Organisationen erfolgt im Kontext
einer allgemeinen Analyse der politisch-gesellschaftlichen
Umbrüche im Osmanischen Reich, da die Ausdifferenzierung
in unterschiedliche Nationalismen innerhalb der muslimischen
Bevölkerung erst nach 1908 einsetzte. Speziell der
türkische und der kurdische Nationalismus werden deshalb
gemeinsam diskutiert. Gemeinsamkeiten zeigen sich vor allem im
elitären Charakter der frühen Organisationen beider
Spielarten, gepaart mit einer stark ademokratischen
Grundtendenz, die sowohl auf die gehobene soziale Herkunft
ihrer Exponenten zurückgeht wie auch auf die manifeste
Unmöglichkeit einer unmittelbaren Massenwirksamkeit
nationalistischer Ideen innerhalb des muslimischen Sektors der
osmanischen Gesellschaft. Während die Kemalisten das
Problem eher dadurch lösten, daß sie die
Kommandostruktur der osmanischen Armee von innen heraus
aufrollten und so unmittelbaren Zugang zu materieller Gewalt
erlangten, suchten die kurdischen Nationalisten stärker
die Unterstützung der traditionellen ländlichen
Eliten in den östlichen Reichsprovinzen, der Stammeschefs
und sheikhs, deren Gefolgschaften eine große
militärische Potenz darstellten. Der jeweils andere
Lösungsweg wurde jedoch von beiden Seiten zeitweilig
ebenfalls beschritten, was in einer parallelisierenden Analyse
des Befreiungskrieges (1920-1922) und des
Sheikh Sait-Aufstandes (1925) in der Türkei
gezeigt werden kann. In beiden Fällen spielte
religiöse Propaganda zur Moblisierung der Massen eine
größere Rolle als nationalistische Appelle, was als
ein Zeichen dafür interpretiert wird, daß
Nationalismus zumindest im muslimischen Sektor der osmanische
Gesellschaft zu Anfang dieses Jahrhunderts immer noch ein
Fremdkörper war, der nur eine kleine Elite von gebildeten
Oberschichtlern ansprechen konnte.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung .
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . 7
- 2. Definitionen
- Wer sind die Kurden?.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .16
Die kurdische Gesellschaft. .
. . .
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .39
- 3. Die Entwicklung der kurdischen Gesellschaft bis
zum 19. Jahrhundert
- Die kurdische Gesellschaft als Teil der
islamischen Welt. . . . . . . . . . . .53
Die arabische Eroberung . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .57
Das Osmanische Reich. . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . .65
Turkmenen, Mongolen und Safaviden . . . .
. . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . 71
Exkurs über Fremdherrschaft und
legitime Herrschaft. . . . . . . . . . .85
Der Aufstieg des Safaviden-Reiches. . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . 94
Kurdistan unter den Osmanen . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . 99
Der Zusammenbruch der klassisch-osmanischen
Gesellschaftsordnung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . . 108
Die Auswirkungen auf Kurdistan. . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . .107
- 4. Das 19. Jahrhundert
- Das Aufkommen der ersten Nationalismen im
Osmanischen Reich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . . 125
Die Rezentralisierung des osmanischen Staatsapparats und ihre
Auswirkung auf die kurdische Gesellschaft . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . 145
Emir Bedir Khan von Botan und seine Revolte . . . . . . . . .
. . . . . . . . 165
Der Aufstieg der sheikhs in der kurdischen
Gesellschaft . . . . . . . . . . 176
Der Krimkrieg und seine Folgen . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . .184
Das Landgesetz von 1858 . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . .189
Ungleichzeitigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung . . .
. . . . . . . . 192
Die Auswirkungen des Krieges von 1877/78. . . . . . . . . . .
. . . . . . . .197
Der Berliner Kongreß und die armenische
Frage . . . . . . . . . . . . . . 204
Der Aufstand des Sheikh Ubeydullah Erster
Höhepunkt der
neugewonnenen gesellschaftlichen Führungsstellung der
sheikhs . . . . 214
Ausbruch und Scheitern des Aufstands
(Oktober November 1880) . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . 222
Die gesellschaftliche Lage gegen Ende des 19. Jahrhunderts. .
. . . . . .226
Hunchak, Dashnaksutiun und Hamidiye . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . 235
Die Massaker an den osmanischen Christen
in den östlichen Provinzen (1894-1896) . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . .247
- 5. Das 20. Jahrhundert
- Die jungtürkische Bewegung . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .255
Der Putsch von 1908 und der kurze Frühling
des osmanischen Liberalismus . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . 264
Politik als aristokratisches Spiel:
Die ersten explizit kurdischen Organisationen . .
. . . . . . . . . . . . . . 267
Die Reaktion des tribalen Sektors der kurdischen Gesellschaft
auf die jungtürkischen Umwälzungen . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . .283
Der Erste Weltkrieg Wendepunkt in der
Entwicklung der kurdischen Gesellschaft . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . .299
Das Ende des Osmanischen Reiches. . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . 308
Die kemalistische Bewegung und
die Kürdistan Teali Cemiyeti . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . . . . . 317
Die Machtübernahme des Repräsentativ-
komitees Mustafa Kemals . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . .333
Das coming-out des Kemalismus. . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 351
Bedeutung und Struktur der Azadi . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . . 363
Der Sheikh Sait-Aufstand (1925) . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . .375
- 6. Schlußkapitel. . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. .387
- 7. Anhang
- Literaturverzeichnis. . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 402
Längere fremdsprachige Zitate im
Original. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 427
Glossar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . . . . . 436
Anmerkung zur Schreibweise . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . 440
Index rerum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . . . .441
Index autorum . . . (ist in der Onlinefassung
Teil des Literaturverzeichnis)
Letzte Aktualisierung: 8. Januar 2001
Günter Max Behrendt
eMail: Max.Behrendt@t-online.de
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